28.12.2006 Basseterre / St. Kitts

Ein erster Blick: auf Basseterre/St. Kitts

Das Wetter um 6 Uhr morgens: 25° C, O 5, 85%, bewölkt


Der gestrige Abend im Lido Café („Erlebnisküche: Unsere Klassiker“): Konsul Walder mit einem Säckchen Brillanten am Tisch. Wie er sie triumphierend zwischen den Tellern ausbreitet – immerhin 68 Karat seien sichergestellt –, pikiertes Schweigen. Mitten in die Stille ließ Frau Wallosek die Bombe platzen: Nicht nur meine Wenigkeit, auch alle andern Teilnehmer unsrer Tischrunde waren von ihr mit einem Weihnachtspäckchen bedacht worden – wir hatten nicht gewagt, darüber zu reden und jeder auf eigne Kappe Nachforschungen betrieben. Und sie? Hatte uns eine kleine Freude machen wollen; erst die Tatsache, daß sich keiner bei ihr bedankte, machte sie stutzig. Seit gestern hat sie Gewißheit, der Nachtsteward war sofort geständig – er hatte ihre Begleitkärtchen schlichtweg unterschlagen. Wenn Frau Wallosek damit gerechnet haben sollte, daß wenigstens jetzt Freude aufkommen würde, so hatte sie sich getäuscht: Wir konnten unsre Enttäuschung kaum verbergen. Das Teelicht war mit einem Mal nichts als ein kitschiger Engel, noch dazu mit gestutzten Flügeln. Und das Herz? Nichts weiter als ein Christbaumschmuck für alte Damen. – Trotzdem werden wir heute mittag alle geschlossen den Shuttlebus nehmen, um zur Grundsteinlegung des ersten SOS-Seniorendorfs zu fahren. Genau genommen: zur Schiffstaufe; das SOS-Seniorendorf ist als schwimmendes Aktivaltenheim konzipiert worden, einschließlich Kletterwand im Heck. Es wird heute auf den Namen MS CRÈME CARAMEL getauft; Konsul Walder darf die Champagnerflasche am Bug zerschellen lassen.

27.12.2006 Gustavia / St. Barthélémy

Ein erster Blick: auf den Ankerplatz von Reich & Schön

Das Wetter um 6 Uhr morgens: 25,5° C, O 4, 82%, leicht bewölkt


Professor Billhardt: Darmverschluß. Konsul Walder hat dem Bordarzt gegenüber Anspruch auf all das erhoben, „was nach Lösung des Problems an Süßer Symphonie sichergestellt“ werden sollte; notfalls werde er Karat für Karat von seinem Anwalt einklagen lassen. – Wenigstens die Sache mit dem Hund ist nun geklärt. Sein Herrchen saß im Wartezimmer, als wir im Gefolge des Konsuls dort vorstellig wurden, zu seinen Füßen einer jener japanischen Kleinroboter, täuschend echt als Dackel verkleidet, der nicht nur bellen und mit dem Schwanz wedeln konnte, sondern punktgenau jeden beschnüffelte, der ihm in die Quere kam. Vorzugsweise die Krankenschwester. Graf Harro, lobend: „Der ist ja ein ganz ein Schlimmer.“ Allerdings litt der Hund unter einer akuten Fehlprogrammierung, sein Bellen klang wie ein Grunzen, genaugenommen, wie das Grunzen eines Schweins, das unter Schluckauf litt. Sein Besitzer, ein älterer Herr im Bademantel, optisch an Beethoven in der Endphase erinnernd, erzählte uns, er habe den Hund in Lissabon gekauft, daher heiße er Lissi. Den Einwand, wir hätten Lissabon auf unsrer Fahrt gar nicht angelaufen, ließ er nicht gelten; als der Bordarzt die Behandlung abgeschlossen hatte (Akku raus, Akku rein, Neustart), biß ihm Lissi prompt in die Hand. Sein Herrchen eilte mit wehenden Bademantelschößen davon – Lissi mußte dringend „Gassi gehen“.

26.12.2006 San Juan / Puerto Rico

Ein erster Blick: auf den Hafen von San Juan

Das Wetter um 6 Uhr morgens: 25° C, SO 3, 85%, leicht bewölkt


Die Torte des Schoko-Dieters ging für 85.000 Euro an – unsern Konsul Walder! Immobilienjongleur P. hätte uns beinahe den Appetit verdorben, weil er den Konsul ganz offen verdächtigte, dazu das Stiftungsvermögen von „Kielschwein gehabt e.V.“ veruntreut zu haben. In der Tat, die Preissumme gibt zu Vermutungen Anlaß. Bald stritt jeder mit jedem; perfiderweise pickte die Kipp-Oehljeklaus nebenbei gezielt den einen oder andern Brillanten aus der Tortenverzierung und lutschte darauf herum, ehe sie ihn schluckte. Um zwischendurch ein bißchen Dampf abzulassen, beschimpfte Frau Stäblein den nächstbesten Kellner, der Kaffee sei zu heiß. Wir verdanken es Professor Billhardt, daß die Sache nicht eskalierte. Ohne auf das Gezeter zu achten, schnitt er sich ein hochkarätiges Stück von der Torte – mindestens 10.000 Euro; Herr Drescher (der freilich nicht ganz verstanden hatte, worum es ging) und meine Wenigkeit hielten den Konsul fest, während Professor Billhardt ein zweites, dann sogar noch ein drittes Stück der Diamant-„Symphonie“ verzehrte. Und auf diese Weise weitermachte, bis der Arzt kam; der Professor ließ es sich nicht nehmen, dabei den einen oder andern Toast auf den Schoko-Dieter auszubringen und ansonsten seine bekannt belehrenden Tischgespräche zu führen. Als man ihn in die Intensivstation einlieferte, dozierte er gerade über die Klobrillen, die man uns in der vergangnen Nacht wieder abgeschraubt hatte: Puerto Rico sei ein „nichtinkorporiertes amerikanisches Außengebiet“ – also Zugriffsgebiet der allseits gefürchteten US-Gesundheitsbehörde. Unter Amerikanern gelten Klobrillen als potentiell gesundheitsgefährdend; bei den neuesten Kreuzfahrtschiffen sollen bereits Hock-Klos eingebaut werden, wie man sie aus Südeuropa kennt.

25.12.2006 Cayo Levante / Dom.Rep.

Ein erster Blick: auf die Dominikanische Republik. Wir liegen auf Reede vor Santa Bárbara de Samaná.

Das Wetter um 6 Uhr morgens: 26° C, O 4-5, 77%, leicht bewölkt


Kaum war der Weihnachtsmann gestern nachmittag samt Rettungsboot an Bord gehievt, eilte er durch die Gänge und läutete mit seiner Weihnachtsglocke. Mittlerweile hatten unsre Gästekinder die Tanne im Foyer geschmückt, wer sich jetzt noch in den Zweigen aufhielt, wurde vom Hot Man heruntergeschüttelt. Unterm Baum dann Kinderbescherung; anschließend Gala-Dinner. Buchstäblich in letzter Minute wurde einer Petition der Weltreisenden stattgegeben und bei der Zubereitung aller achtzehn Gänge auf Kaviar, Hummer, Königskrabben, Jakobsmuscheln und Gänsestopfleber verzichtet. Im Hauptgang gab es Bratkartoffeln, nichts als Bratkartoffeln – in der Tat eine schöne Bescherung! Heute allerdings schlägt die Küche mit „Weihnachts-Gala II“ zurück: Vom Chefkoch, der lang genug Erfahrung bei Kreuzfahrten in einem russischen Atom-U-Boot gesammelt hat, ist uns Hering mit Erdbeeren als Amuse bouche angedroht worden. Dann Buffet rund ums 8er-Deck mit zehnerlei Krustengetier. Am Ende natürlich die Weihnachtskreation des Schoko-Dieter, eine diamantbesetzte „Süße Symphonie“: Die mit insgesamt 80 Karat besprenkelte Torte ist seit gestern beim Bordjuwelier ausgestellt; sie soll heute abend zugunsten des weltweit ersten SOS-Seniorendorfs versteigert werden. Der Scheck wird am 28.12. anläßlich der Grundsteinlegung auf St. Kitts überreicht.

24.12.2006 Grand Turk / Turk and Caicos

Ein erster Blick: auf den Strand von Grand Turk. Wir werden erwartet.

Das Wetter um 6 Uhr morgens: 26° C, OSO 5, 78%, leicht bewölkt


Heiligabend auf der EUROPA! Touristisch Pflichtbewußte werden sich mit Glasbodenbooten übers Korallenriff schippern lassen, anschließend Glühwein und Christstollen im Liegestuhl! Nachmittags, beim Auslaufen, „O Tannenbaum“, von einer Steelband dargeboten. Kurz drauf die Ansage des Kapitäns, man habe jemanden an Land vergessen, er werde so schnell wie möglich mit dem Rettungsboot geholt. Wer dann kommt, so der Ablaufplan, ist kein Geringerer als Tonio Kröger, unser Gästebetreuer, als Weihnachtsmann verkleidet. Im vorigen Jahr wäre er in selbiger Mission um ein Haar verprügelt worden: Man hatte ihn im Hafen von Mozambique zurückgelassen; zehn betrunkne Hafenarbeiter hielten ihn für einen getürmten blinden Passagier, der sich dann auch noch zwischen den Containern versteckte, um sich zu verkleiden. Wenig später, als sie ihn wild gestikulierend an der Pier sahen, dachten sie, er habe aus Angst vor ihnen seine Meinung geändert und wolle nun wieder an Bord geholt werden. „Listen, it’s christmas“, versuchte sich Herr Kröger zu erklären, mittlerweile in voller Weihnachtsmann-Montur, stieß aber auf Unverständnis, das sich zusehends zur Handgreiflichkeit entwickelte. Einzig der Vorarbeiter verstand ihn und hielt die Meute ab, ihn auf der Stelle auszurauben. – Diesmal hat er wenigstens ein Walkie-Talkie dabei.

23.12.2006

Ein erster Blick: auf die PRINSENDAM? die SENSATION? die NORWEGIAN MAJESTY, die GRANDEUR OF THE SEAS, die STAR PRINCESS, die CARNIVAL MIRACLE, die CENTURY? Oder gar die MS CRÈME BRULÉE?

Das Wetter um 6 Uhr morgens: 24° C, SW 4, 84%, leicht bewölkt


Gestern las man’s im Tagesprogramm zum letzten Mal: „Sehr verehrte Gäste, die amerikanische Gesundheitsbehörde weist darauf hin, daß Gerichte, die nicht oder nicht vollkommen gegart sind (z.B. Sushi, ‚englisch’ gebratene Steaks, Tatar oder 3-Minuten-Eier) als ‚nicht unbedenklich’ eingestuft werden müssen.“ Im Klartext: letzte Möglichkeit für die Hygienebeauftragten zur Kontrolle, noch am Abend würden wir die US-Gewässer für immer verlassen. Aus einer Vorahnung heraus hatte man noch vor Morgengrauen die Klobrillen von den Gästetoiletten abgeschraubt und, mit den jeweiligen Kabinennummern gekennzeichnet, in den Pumpensümpfen versenkt. – Und sie kamen. Kaum daß wir die Gangway herabgelassen. Zielstrebig auf der Suche nach hölzernen Pfeffermühlen und Dreiminuteneiern; legten unseren fröhlichen Frühstücksbetrieb auf der Stelle lahm: Nichts durfte mehr serviert, nichts abgeräumt werden. Herr Drescher, der die barsch in den Raum geblafften Anweisungen nicht verstanden hatte, hob sogar zögernd die Hände hoch. Aber wir waren nicht unvorbereitet, beherzt zog Frau Stäblein eine Käsestulle hervor, die sie sich gestern vom Maitre d’Hotel persönlich hatte schmieren lassen; Sarah schüttete ihre gesammelten Schokoladentaler, die allabendlich unsre Kissen verzieren, aus dem Chanel-Täschchen direkt auf den Tisch – mutig, geradezu aufmüpfig kauten und lutschten wir alten Europäer drauflos. Wie die Amerikaner da Augen machten! Und wie sie sich, merklich irritiert, in die Pumpensümpfe davontrollten, um dort wenigstens Chlorwerte zu messen und womöglich das eine oder andre Kielschwein aufzustöbern! Vergeblich, am Ende mußten sie unsrer Hütte 100 von 100 möglichen Punkten geben, das hat es noch nie gegeben. Wahrscheinlich bekommen wir bald einen weiteren Stern.

22.12.2006 Fort Lauderdale / Florida

Ein erster Blick: erneut auf den Hafen von Fort Lauderdale

Das Wetter um 6 Uhr morgens: 24,5° C, SO 6, 80%, leicht bewölkt


Gestern abend, nach dem Auslaufen, feierliche Verklappung der bemalten Bojen: Die SWR-Bigband, die uns auf diesem Reiseabschnitt allabendlich mit ihrem Gebläse von den Sitzen gepustet hatte, spielte ein verhaltenes „Es ist bestimmt in Gottes Rat“. Nawrath: „Kunstwerke verloren, aber nicht die Kunst! Das Malen geht weiter.“ Lange mit seinen Kursteilnehmerinnen und den Mitgliedern von „Kielschwein gehabt e.V.“ im Heck gestanden und geschwiegen. Die Schönheit des vorweihnachtlich illuminierten Schiffes im Kontrast zur Trauer über die Hinfälligkeit der Dinge und des Seins. Das tiefere Wesen der Kreuzfahrt als einer moralischen Anstalt begriffen. Schwer geläutert schließlich auf die Kabine, dort eine Überraschung: das allererste Weihnachtspäckchen, vom Nachtsteward einfühlsam auf dem Kopfkissen deponiert. Darinnen: ein Weihnachtsengel-Teelicht, die Flügelspitzen leider abgebrochen, und – ein Herz, als Christbaumschmuck getarnt. Dazu als Text: „Frohe Weihnachten, Johann (oder Gottlieb?)“ Kein Absender. Das Herz einer Unbekannten! Auf der Stelle das Wesen der Kreuzfahrt als einer unmoralischen Anstalt begriffen. – Heute: diskret Erkundungen einziehen, wüst drauflosspekulieren.

21.12.2006 Key West / Florida

Ein erster Blick: auf die Pier von Key West

Das Wetter um 6 Uhr morgens: 26° C, ONO 5, 77%, leicht bewölkt


Vorweihnachtliches: Fasthuber mit verbundener Hand; der Hund IST bissig. Er bevorzugt die weißen, nicht die schwarzen Champagnertrüffel, das hatte Fasthuber nicht gewußt. Herr Drescher imitiert bei Tisch neuerdings das Jaulen des Hundes, angeblich wird seine Nachtruhe permanent gestört. Sarah hat für heute eine Hemingway-Tour gebucht, sie ist wild entschlossen, zumindest eine Whiskeyflasche aus dem Museum zu entwenden. Der Feng-Shui-Meister ihrer Mutter geht von Bord. Unter deren Suite hat er sogar mehrere kritische Wasseradern lokalisieren können; sie wurden umgehend abgeklemmt. Der trinkfeste Schweizer Rübenhändler, der in der Kabine unter der Kipp-Oehljeklaus wohnt, muß sich nun am Brunnen auf dem Mooringdeck waschen, in aller Diskretion wurde eigens für ihn auch ein Dixi-Häuschen aufgestellt, getarnt als Lebkuchenhaus. Und als ob das nicht schon alles besinnlich genug wäre: Heute und morgen stehen uns noch mal die USA bevor! Die Kellner haben ihre armlangen Pfeffermühlen auf unseren Kabinen versteckt, um sie dem kritischen Zugriff der US-Gesundheitsbehörde zu entziehen. Unter Amerikanern gelten die Mühlen als potentiell gesundheitsgefährdend, weil sich das Holz spalten und Bakterien Gelegenheit bieten könnte, sich darin anzusiedeln.

20.12.2006

Ein erster Blick: auf die Straße von Yucatan

Das Wetter um 6 Uhr morgens: 24° C, NO 6, 84%, leicht bewölkt


Diese Hitze! Seit Tagen sorgt ein militanter Herr im Pool für Ruhe und Ordnung; sobald einer Anstalten macht zu schwimmen, wird er mit den Worten „Sehen Sie nicht, daß Sie stören“ des Beckens verwiesen. Für jeden, den der Herr aus dem Pool gemobbt hat, bekommt er von seinen Anhängern, die alle strategisch wichtigen Beckenrandpunkte besetzt halten, eine Waffel ausgegeben: wahlweise „Standard“ (mit Puderzucker, Kirschen, Vanilleeis) oder „Carola“ (mit Karamelsoße, Schokostreuseln, Schlagsahne). – Auch Bordbojenmaler Nawrath bevölkert seit neuestem das Lido-Deck: Eigenmächtig hat er seinen Bemalkurs ins Freie verlegt, das könnte ihm noch Ärger bereiten. Allenthalben stolpert man über Kursteilnehmerinnen, die versunken vor ihren halbbunten Bojen knien. „Die Boje, das bist du selbst“, ist Nawraths künstlerisches Credo, „gib ihr Erdung.“ Die Damen nehmen es sehr ernst. Fußstapfen von Passagieren, die unglücklicherweise Farbeimer umgetreten und so ihre Sohlenabdrücke als „multiple Graffiti“ (Nawrath) auf den Decks verteilt haben, gefallen nicht jedem. Auch der neue Hot Man hat den Bojen gegenüber Unverständnis geäußert und angedeutet, Nawrath werde „ein weiteres Opfer für die Kunst“ leisten müssen. Wie das aussehen wird, wissen wir; nach der Finissage am 21.12. wird es wieder soweit sein. Der Bordpastor ist bereits eingeweiht, „Kielschwein gehabt e.V.“ bereitet eine Solidaritätsadresse vor.

19.12.2006 George Town / Grand Cayman

Ein erster Blick: auf die NORWEGIAN MAJESTY, die GRANDEUR OF THE SEAS und die STAR PRINCESS. Nicht im Bild: die CARNIVAL MIRACLE und die CENTURY. Auf der Insel dürfte’s heute voll werden.

Das Wetter um 6 Uhr morgens: 25° C, NO 6, 87%, leicht bewölkt


Die gestrige Landpartie: ein jamaikanischer Taxifahrer, ein deutscher Rockmusiker mit Sonnenbrille/Hut, der gastierende Schönheitschirurg, der Bordgalerist, der „Evergreen Juniors“-Bandleader, eine Weinstewardeß und meine Wenigkeit, der Fichtl Hannes vom Finanzamt Passau alias Johann Gottlieb Fichtl, Seniorchef von „Fichtl & Co., Vermögensverwaltung“ (Gefällt mir! Mittlerweile grüßt mich sogar Charles Pauw vom Nachbartisch!). Der Preis: 150 $. Das Ziel: Dunn’s River Falls. Dortselbst: Wasserfallkletternde Amerikaner von der SENSATION, die gleichzeitig mit uns am Kai liegt, ein fahrender Plattenbau. Anschließende Tour durch den Regenwald, am Straßenrand Wellblechhütten mit touristischer Schnitzware, vorzugsweise der lebensgroße Bob Marley mit überlebensgroßem Gemächt. Die Sprüche: „Ein Wink mit dem Zaunpfahl“ (Bandleader). „Me big bamboo too“ (Taxifahrer). „Alles vom jamaikanischen Stararchitekten gebaut, Michel Houelleblech“ (Galerist). „Urwald auf Bali ist aber anders“ (Weinstewardeß). „Ya man“ (Rockmusiker). Zum Abschluß: Spaziergang durch Ocho Rios. Der Schönheitspapst diagnostiziert an einem der Herumlungernden mit dicker Backe einen Parotis-Tumor, „ein Leckerbissen“, so was bekomme man in Deutschland kaum mehr zu Gesicht, da schlage das Herz jedes Gesichtschirurgen höher. Am liebsten würde er den Mann mit der Backe auf der Stelle operieren; ersatzweise photographiert er ihn für die Vorlesung im kommenden Semester. Der Rockmusiker regt an, leicht delikat, nach Panikart, er solle den interessierten Passagieren in den kommenden Tagen vier Streifen auf der Schulter einoperieren (Kapitän) oder, etwas günstiger, dreieinhalb Streifen (Erster Offizier).