28.11.2006 Cadiz / Spanien

Ein erster Blick: auf Hochbetrieb am Kai von Cádiz: Die Container stehen Schlange, vor der Atlantiküberquerung müssen 180 Tonnen zugeladen werden.

Das Wetter um 6 Uhr morgens: 17° C, O 3, 80%, teilweise bewölkt


Der letzte Tag an Bord für 19 bunte, sehr bunte Bojen. Wenige Minuten nach Beendigung der Finissage, als die Besucher schon den verschiednen Restaurants zustrebten, ordnete der „Hot Man“ (Hotel Manager) mit einem „Die Galerie ist doch kein Bojenlager!“ die Räumung an, beim anstehenden Kapitäns-Cocktail würde vor lauter Kunst ja gar kein Platz mehr für Gäste sein. Sämtliche Bojen werden heute abend im Schutz der Dämmerung verklappt. Frau P., eine von Nawraths Bordschülerinnen, hat passiven Widerstand angekündigt, sie werde sich vom Meister persönlich an die von ihr bemalte Boje ketten lassen. Professor Billhardt hat für die Stunden nach dem Auslaufen Wachen auf dem 9er-Deck eingeteilt, damit wir das Spektakel nicht verpassen.

27.11.2006

Ein erster Blick: auf Algerien? Oder doch schon Marokko?

Das Wetter um 6 Uhr morgens: 18° C, W 3, 80%, teilweise bewölkt


Nawrath tobt. Die Galerie auf dem 4er-Deck sei doch kein Möbellager, er werde sämtliche Tische und Sessel eigenhändig von Bord werfen, wenn man nicht alles freiwillig für die Finissage seines Bojenbemalkurses hinausräume. Auch die Topfpflanzen hätten in einer Galerie nichts zu suchen, der Teppichboden gehöre raus: „Weiße Wände! Ansonsten brauche ich Licht, Luft, Raum.“ Zum Abschluß des Malkurses laden die Teilnehmer(innen) heute abend zum Empfang, man darf gespannt sein, wie die 19 bemalten Bojen überhaupt in der Galerie Platz finden werden. Nawrath selbst will eine kleine Rede halten, „Die Boje, dein Freund in schwerer See. Lebensorientierung einst und jetzt“.

26.11.2006 Mahon / Menorca

Ein erster Blick: auf den Hafen von Mahón

Das Wetter um 6 Uhr morgens: 19°C, SO 4, 85%, wolkenlos


Lena: Die Stange in der „Koralle“ gibt es tatsächlich. Die Gesänge von dort hingegen pure Einbildung. Schlimmstenfalls von Piraten, bestenfalls von Walen, die unser Schiff begleiten. – Professor Billhardt: Im euroasiatischen Spezialitätenrestaurant „Oriental“ sollen kleine Tiere als Amuse bouche gereicht werden, frisch vom Souk in Sousse: Sie würden lebend paniert, kurz anfrittiert und als eine Art unvegetarische Frühlingsrolle serviert; manche sollen nach Waldfrüchten schmecken, manche nach Kamelmilch, die einen wie die anderen vorzüglich. Auf des Professors Frage, wie man eine lebende Frühlingsrolle denn überhaupt essen könne, habe die Stewardess schlagfertig mit der Gegenfrage gekontert: „Wozu haben Sie denn eine Gabel?“ Mit Nachdruck versuchen, dort einen Tisch für die nächsten Tage zu bekommen – unglaublich, was auf der EUROPA alles möglich ist!

25.11.2006 Cagliari / Sardinien

Ein erster Blick: auf Cagliari

Das Wetter um 6 Uhr morgens: 19° C, O 3-4, 80%, wolkenlos


Die gute Frau Stäblein hat sich im Basar von Sousse einen gewaltigen Schildkrötenpanzer als „Bio-Wok“ aufschwatzen lassen; das Ehepaar Wallosek ist beim Spaziergang an der Stadtmauer in den Rotlichtbezirk geraten. Nach zwei merkwürdig quer in die Straße hineingezogenen Mauern seien immer häufiger eindeutige Damen in den Hauseingängen gestanden. Die tunesische Herbertstraße! Einer der flanierenden Freier mußte sie aus dem Bezirk, der stets in Sackgassen gemündet, wieder herausführen. Immobilienjongleur P. hat sich für seine nächste Fahrt auf der EUROPA vorsorglich eine genaue Wegbeschreibung geben lassen. – Mittags in Cagliari: Pizzalandgang mit Lena! Fragen, wer oder was in der Mannschaftskneipe („Koralle“, vorn im Bug) eigentlich immer gefeiert wird. Nach Mitternacht hört man von dort wikingerhafte Gesänge; Fasthuberschen Andeutungen zufolge soll es darin eine Stange geben, an der spontaner Tabledance geboten werden kann.

24.11.2006 Sousse / Tunesien

Ein erster Blick: auf tunesisches Gewässer. Gerade hat man eines der Tenderboote zu Wasser gelassen – die EUROPA liegt vor Sousse auf Reede –, um Landgangwillige an Land zu bringen.

Das Wetter um 6 Uhr morgens: 20° C, NO 1, 75%, teilweise bewölkt


Unglaublich: Sarah hat von ihrem Tagesausflug ins römische Leptis Magna ein komplettes Fußbodenmosaik mitgebracht – immerhin Unesco-Weltruinenerbe! Im Grunde habe sie’s nur vom Boden aufgelesen, es sei ganz einfach gewesen, in Libyen gebe’s ja keinerlei Absperrungen. Beim „Afternoon Tea“ auf dem Lido-Deck will sie uns das Mosaik zwischen den Bridge-Tischen auslegen. – Graf Harro hingegen schwärmt wahrscheinlich auch noch bei den „Late Night Snacks“ von der Schurkenstadt Ghadames, wohin man ihn gestern flog, auf daß er Schurkentee mit den Tuareg trinke: Sie hätten, die Tuareg, zunächst eine Art Wüsten-Schuhplattler getanzt, mit Holzschwertern ausstaffiert, dann für ihre Kamele eine spezielle Tanzmusik von separat sitzenden Kreischweibern anstimmen lassen – einmalig! Um 22 Uhr zeigt er seine Photos im Kinosaal, auf Großleinwand.

23.11.2006 Tripolis / Libyen

Ein erster Blick: auf Tripolis

Das Wetter um 6 Uhr morgens: 20° C, NW 6, 80%, teilweise bewölkt


Entwarnung! Alle Kielschweine wieder wohlauf, man hat sie mit strenger Diätkost hochgepäppelt. Der Durchbruch kam mit den Resten des Milchreises, der sonntags immer in der Mannschaftsmesse gereicht wird. – Während das Gros der Gäste einen Tagesausflug zu römischen Ruinen (105 €) oder Stampflehmbauten der Berber (incl. Charterflug 650 €) unternimmt, wird an Bord alles eine Spur entspannter zugehen. Unbedingt die Gunst der Stunde nutzen und die Spur der beiden Butler aufnehmen, die auf Deck 9 und 10 wirken! Dort oben sind die Erdbeeren in Schokolade getaucht; dort oben wohnt Frau Kipp-Oehljeklaus. Zwar samt Tochter Sarah, aber die wird heute mit ihrer Zickigkeit allenfalls Ruinenwächtern auf die Nerven gehen.

22.11.2006 Benghazi / Libyen

Ein erster Blick: auf 1700 m tiefes Wasser und eine ziemlich libysche Sonne

Das Wetter um 6 Uhr morgens: 20° C, SW 5, 75%, teilweise bewölkt


Eine Überraschung: Auch auf Kreuzfahrtschiffen gibt es einen Bau für schwere Jungs. Seit gestern sitzt darin der Schoko-Dieter ein – dem Kielholen ist er nur knapp entgangen. Fortan muß er ab 5 Uhr morgens Orangen fürs Frühstücksbüffet ausdrücken: Aus 120-150 kg Orangen hat er täglich 40 Liter herauszuholen, die reinste Knochenarbeit. – Den meisten Gästen geht es inzwischen wieder besser; von den Kielschweinen hingegen noch keine neuen Nachrichten. Werde Fasthuber bitten, Erkundungen bei den Filipinos einzuziehen, die in den Pumpensümpfen angeblich noch immer nach Überlebenden suchen.

21.11.2006 Benghazi / Libyen

Ein erster Blick: auf etwas, das sich für uns in Libyen zusammenbraut

Das Wetter um 6 Uhr morgens: 18° C, N 2, 75%, leicht bewölkt


Die armen Kielschweine! Sie haben sich an den Resten der „Süßen Symphonie“ überfressen, die sich beim gestrigen Gala-Diner als tellergroßer Marzipanflügel mit weißschwarzem Schoko-Überzug präsentierte. Krank liegen sie auf Deck 1, nicht das leiseste Grunzen ist zu hören; die Matrosen durchsuchen die Pumpensümpfe nach verbliebenen Opfern. Auch zahlreiche Passagiere hat es erwischt; Professor Billhardt, der zwei der Mini-Flügel zu sich nahm, wurde noch in der Nacht auf die Intensivstation gebracht. Man darf gespannt sein, was mit dem Schuldigen passiert, dem diensthabenden Patissier, der sich unter den Köchen als „Schoko-Dieter“ längst einen Namen gemacht hat. Natürlich ein Österreicher. Man wirft ihm vor, seinen Creationen suchtevozierende Substanzen beigemischt zu haben; heute wird der Kapitän über seine Bestrafung befinden.

20.11.2006

Ein erster Blick: auf den ägyptischen Horizont

Das Wetter um 6 Uhr morgens: 17,5° C, N 1, 72%, leicht bewölkt


Die Speisenfolge des Abendessens, wie sie das bordeigene Cruisenet ankündigt (Professor Billhardt hat uns bereits wissen lassen, daß er keinen einzigen Gang auslassen wird):
1) Tartin vom geräucherten Marlin mit Meerrettich-Preiselbeerespuma
2) Ossetra-Kaviar, serviert im Silberpokal, dazu klassische Garnituren
3) Mit Cognac parfümierte Tafelspitz-Kraftbrühe mit eigenem Fleisch und Gewürzstange
4) Gebratene Stopfleberschnitte mit Calvados-Äpfeln und cremiger Kardamom-Polenta
5) Gebratene ausgelöste Seezunge mit Krustentier-Chardonnay-Sauce, Kartoffelpüree abgerundet mit griechischem Olivenöl und glacierten Karotten
6) Mangosorbet mit Champagner
7) Auswahl vom Tölzer Kasladen
8) „Süße Symphonie“ aus unserer Patisserie

19.11.2006 Limassol / Zypern

Ein erster Blick: auf den Kai von Limassol: Betanken, Beladen, Abtransport der Gäste zum Flughafen

Das Wetter um 6 Uhr morgens: 18° C, N 1, 82%, wolkenlos, sonnig


ab 8:30: Ausschiffung der Gäste mit roten, anschließend mit grünen, schließlich mit blauen, grauen, braunen, gelben, lila Kofferanhängern.
ab 16:00: Einschiffung der neuen Gäste bei anhaltender Klaviermusik. Anlieferung von zwei Dutzend frischer, noch unbemalter Bojen für den Bordmaler Nawrath.
19:00: Sail-Away, mit Blasmusik von den „Evergreen Juniors“. Leider auch mit Antun Attila P., der uns gestern bei Tisch eröffnete, er habe spontan einen weiteren Reiseabschnitt dazugebucht.