28.03.2007 Port Blair / Andamanen / Indien

Ein erster Blick: Indien erwartet uns mit gebremster Euphorie.

Das Wetter um 6 Uhr morgens: 27,5° C, N 2-3, 78%, leicht bewölkt


Die gute Nachricht: Gestern um 11 Uhr fuhren wir am Kai von Phuket vor – und unsre Hütte, der Käptn hat’s zum 101. Mal geschafft, erwartete uns bereits! Die sehr gute Nachricht: Rudi Schachtlmacher, der alte Grapscher, hat sich mit seiner „Thai Sweet“-Bekanntschaft ins Landesinnere abgesetzt, in seinem Pavillon anstelle eines langen Abschiedsbriefes: „Was meine Frau kann, kann ich schon lange.“ Und die allerbeste Nachricht: Der F&B-Manager weigert sich, „in Hamburg“ eine Ersatzmeise für die Kipp-Oehljeklaus zu bestellen, sein Budget sei durch spontane Krebs- und Krabbenkäufe des Hot Man ohnehin über Gebühr strapaziert, sie solle gefälligst mit lokalen Vogelsorten Vorlieb nehmen. – So weit, so gut. Die vielen luftig gekleideten Mädchen am Kai verwundern uns dann aber doch, unter ihnen ein Hermaphrodit mit prall gefüllter Rasta-Mütze – das sei unser Hafenagent, klärt uns Bordbojenbemaler Nawrath feixend auf; sei vielmehr unser Touristikmanager vor Ort, fällt ihm Knut Edler von Hofmann lachend ins Wort, er hat uns ebenfalls an der Gangway erwartet. Ausschwärmende Stewardessen, die uns mit Piña Coladas zwangsverwöhnen oder vielleicht auch nur vom Wesentlichen ablenken wollen. Herr Drescher: Wohin auch immer wir fahren, was auch immer wir dort erleben, wir kehren zurück und stellen fest, daß wir das Meiste, womöglich das Beste versäumt haben. – Alles, was wir auf die Schnelle in Erfahrung bringen können: Herr Wöstenkühler hat sich in Singapur ein Paar Stachelrochenschuhe gekauft, die „Biester“ hätten’s nicht anders verdient. Was das mit all den Mädchen am Kai zu tun haben könnte, wir wissen es nicht. Und die Daheimgebliebnen grinsen nur vielsagend und schweigen einander aufs einvernehmlichste zu. Gut, daß wir Thailand mittlerweile schon wieder hinter uns gelassen haben.

27.03.2007 Phuket / Thailand

Ein erster Blick: aufs Andamanische Meer

Das Wetter um 6 Uhr morgens: 27,5° C, windstill, bewölkt


Oh ja, wir haben hier auch selber was erlebt! Als Frau Riebenstein ein kleines Blatt aus ihrem Waschbecken entfernen wollte, huschte es, „Huch“, weg, war eine winzige Echse. „Und mir“, so Herr Weinschröder, „haben die Paviane den ganzen Obstkorb leergeräumt“. Professor Billhardt: „Aber hier gibt’s doch höchstens Meerkatzen!“ Herr Weinschröder: „Wer auch immer“, er werde sich nach Rückkehr aufs Schiff beschweren: „in Hamburg“, wie wir in solchen Fällen immer sagen. Dagegen die Kipp-Oehljeklaus völlig fertig mit den Nerven: Irgendeine Art Waran habe sich ihre Meise geschnappt, und weil „das Biest“ damit ins Bad gehuscht, habe sie schnell die Tür hinter ihm zugemacht. Sich dann natürlich nicht mehr getraut, das Bad zu benützen, die ganze Nacht habe’s darinnen getobt und geschabt und gekeckert. „Gnädigste, wir sind doch nicht auf Komodo“, schüttelt Professor Billhardt mißbilligend den Kopf. Und Immobilienjongleur P.? Er, der schon in der Nacht zuvor „ein komisches Stöhnen“ vom Nachbarpavillon vernommen haben will, gestern setzte er sich von unsrer Gruppe ab, um … nunja, wir sind uns sicher: um sich im nächstbesten Puff (von denen es hier, weißgott, an jeder Ecke gibt) die Füße mit Thai-Mineralwasser waschen zu lassen. Der Rest der Gruppe nahm ein Gala-Menü im Hotel ein, und siehe da, als wir zum Nachtisch ein „Thai Sweet“ („Polamai Gub Tup Tim Grob“) löffelten, kam bei Herrn Schachtlmacher eine kleine Thaifrau aus der Schüssel, bei Herrn Wallosek sogar eineiige Zwillinge, die sofort Anstalten machten, ihm synchron eine Thai-Massage zu verpassen. „Ganz junge Dinger“, so Frau Wallosek, erstaunlich uneifersüchtig: „wie Spielzeug“. Soweit unsre Schulungsreise für Langzeitreisende „Wir üben Landgang“. Mit Schrecken stellen wir fest, daß wir nur noch 40 Tage an Bord haben; heute nach dem Frühstück dürfen wir erst mal zurück in unsre Hütte.

26.03.2007

Ein erster Blick: aufs Amanpuri Beach Resort Hotel, Phuket

Das Wetter um 6 Uhr morgens: 27° C, windstill, bewölkt


Ob die Suchscheinwerfer, die man in der Bak positioniert hat, wirklich abschreckende Wirkung haben? „Reine Lightshow“, meint Graf Harro, „beeindruckt nicht mal kleine Mädchen“. Wir sitzen im Flugzeug, wir sitzen beim Willkommensklingklang im Hotel, beim Jasminteemangokuchen und beim Singhakrabbencocktail, in Gedanken sind wir ständig bei unsrer Hütte: Sind die Suchscheinwerfer vielleicht in Wirklichkeit Bordkanonen? Bevor uns ein Geschwader von Silberlimousinen zum Flughafen brachte, haben wir den Bordpfarrer beobachtet, wie er Bibelsprüche im Lido-Café auslegte, anschließend auch auf den Liegen am Pool, ausgerechnet er! Unsrer Hütte wird’s nichts nützen, ihm selbst sowieso nicht. Konsul Walder vermutet, wir hätten „eine dieser hypermodernen Ultraschallwaffen“: Man müsse sie nur kurz auf die Gegner richten, zum Beispiel enternde Piraten, um sie mit serienweise Hörstürzen außer Gefecht zu setzen. „Na-na-na“, droht ihm Frau Igelbrink mit dem Finger: „Sie waren auch schon mal besser, Herr Konsul.“ Und die Kipp-Oehljeklaus? Anhaltend ängstlich, habe sie dem Käptn heute früh in ihrer Aufgeregtheit „immer eine Handbreit Kiel unterm Wasser“ gewünscht. Der Käptn habe ihr versprochen, höchstpersönlich in den Mastkorb hochzuklettern, wenn sie das endlich beruhige. Die Kipp-Oehljeklaus: „Ogottogott, und wer steuert derweil unsre Hütte?“ „Keine Sorge“, habe der Käptn auch diese Befürchtung zerstreuen können: „Auf der Brücke steht derweil die Friseuse, die kennt sich aus mit Dauerwellen.“ Ja, bestätigt Frau Wack, das habe er tatsächlich so gesagt. „Dabei haben wir doch gar keinen Mastkorb?“ begreift es am Ende sogar P.

25.03.2007 Singapur

Ein erster Blick: übern Cruise Terminal Pier 24/3 und die gegenüberliegende SAGA ROSE hinweg auf die Drahtseilbahn zur Sentosa-Insel

Das Wetter um 6 Uhr morgens: 26° C, umlaufend 1, 88%, bedeckt


Gestern morgen, noch vor der Einfahrt nach Singapur, mein Termin im Golfsimulator, 4:30-5:00 Uhr, an Gästen wie Zaungästen trotz der nachtschlafnen Zeit kein Mangel. Darunter die Herren Wallosek und Drescher, Graf Harro, Konsul Walder und, natürlich, Professor Billhardt. Angeblich trainiert man für die „Indian Open“, die ab 29.3. ausgespielt werden sollen. Habe mich vorsorglich auf die Teilnehmerliste setzen lassen, und das, obwohl Daisy in Wirklichkeit Jessica heißt. – Heute vormittag: Abflug der Weltreisegäste nach Phuket, Hapag-Lloyd lädt uns für zwei Tage unter Thai-Palmen, während die andern … Richtig, unsre Hütte legt hier erst um 18:00 Uhr ab. Angeblich will der Chief mit allen vier Maschinen Volldampf voraus fahren; aber was wird ihm das nützen, wenn die Piraten – wie’s Herr Wegensteiner in einem Sicherheitsfilm gesehen haben will, der zur Einstimmung übers bordeigne Cruisenet gelaufen sei – in zwei Booten auf uns warten, dazwischen eine Kette: so daß wir sie mit dem Bug unweigerlich ins Schlepptau nehmen und dabei auch noch lautlos an unsre Bordwand herandrücken? Beim allmorgendlichen „Meeting“ soll der Hot Man, wie üblich, seine Mitarbeiter zur Rundumaktivität angehalten haben: „Tut’s was, macht’s was, kopiert’s mich mit ein.“ Die Ruhe selbst hingegen unser Käptn: Schon hundertmal ist er die Malakka-Straße hinauf und hinunter geschippert, ohne daß etwas passiert wäre, er vertraut auf das Gesetz der Serie. Warum aber fährt er erst am Abend los, ist’s in der Nacht nicht am gefährlichsten? Ach-i-wo, hat er die Kipp-Oehljeklaus beruhigt, es gebe ebensoviele nachtaktive wie tagaktive Piraten, Schichtwechsel sei, wie in der Schiffahrt üblich, um 4 Uhr morgens. Wie auch immer, wir sind im Grunde froh, daß man uns auf dem Luftweg ins Thailändische schafft; dort können wir von der sicheren Seite aus abwarten, ob unsre Hütte nachkommt.

24.03.2007 Singapur

Ein erster Blick: auf Singapur im Morgendunst

Das Wetter um 6 Uhr morgens: 27° C, NW 2, 88%, bedeckt


Gestern abend, bei unsrer zweiten Äquatorüberquerung, rumpelte’s vernehmlich, nun sind wir also wieder auf der Nordhalbkugel. Aber damit leider auch schon in der Straße von Malakka, bekanntlich ##der## In-Treff für Piraten und angrenzende Berufsgruppen. Müssen wir uns Sorgen machen? Könnten wir uns im Fall des Falles überhaupt –? Man bedauert, über die Bewaffnung eines Kreuzfahrtschiffes werde prinzipiell keine Auskunft erteilt; die hartnäckig nachfragende Kipp-Oehljeklaus wird vom Käptn höchstselbst mit einem „Nun hören Sie endlich auf“ abgefertigt. Entsprechend waghalsig sind unsre Vermutungen; Herr Drescher: „Außer ’ner lausigen Handfeuerwaffe im Kapitänsnachttisch haben die nichts! Wie auch, bräuchte man ja ’nen Waffenschein.“ Immobilienjongleur P.: „Wetten, daß sie jede Menge haben? Und wenn’s Blasrohre sind.“ Daß „sie“ zumindest jetzt verstärkt Wache schieben, darüber besteht Einigkeit. Doch auf was achten sie dabei eigentlich, wie gehen Piraten heutzutage vor? Herr Wallosek: „Na, Totenkopfflagge hissen und entern, wie denn sonst.“ Unser Bordzauberer (derzeit als „Rodolfo Rosé“): „Nee-nee-nee, die reisen per Hubschrauber an.“ Oder sie hätten einen der ihren inkognito auf dem 5er-Deck einquartiert, und wenn sie dann mit dem Schnellboot beikämen, mache er ihnen ganz einfach die Balkontür auf. Der Käptn dazu: „Alles unnötige Sorgen, meine Herrschaften, wir haben ohnehin mehr Piraten an Bord als auf dem Wasser.“ Er muß es wissen: Aus einer alten friesischen Kapitänsfamilie stammend – er fährt in 13. Generation als Kapitän zur See –, hat er mit Sicherheit auch den einen oder andern Piraten im Stammbaum. Und im Abgehen dann noch, vorwegnehmend in Richtung Kipp-Oehljeklaus, ohne daß sie etwa gefragt hätte: „Nein, tätowiert bin ich nicht.“

23.03.2007

Ein erster Blick: Mißtrauisch beäugen wir jedes Schiff, das uns zu nahe kommt: Sind das etwa?

Das Wetter um 6 Uhr morgens: 28° C, SW 3-4, 78%, bedeckt


Gestern wieder einmal „Embarkation“, der zehnte Abschnitt unsrer Reise ist zu Ende, der elfte beginnt. An solchen Trauertagen drängen wir uns noch ein wenig enger aneinander, als ob man uns etwa diejenigen, die sich auf den Heimweg gemacht, gewaltsam von der Seite gerissen und von Bord getrieben hätte. Rotten uns im Atrium, rund um den Pool, an der Lido-Bar zusammen und zählen die Verbliebnen; Menschen, die wir bislang nur vom (Weg-)Sehen kannten, rücken mit einem Mal in den Bereich der Bekannten, womöglich der „guten guten Freunde“ auf. Und dann gibt’s unter den Neuen ja auch diesmal wieder welche, die wir schon einmal an Bord erlebt, verabschiedet, betrauert haben und mit denen wir uns nun, als wären sie nie weggewesen, dem Austausch von Wichtigkeiten widmen dürfen: Ah, die Kipp-Oehljeklaus! Erschöpft zurückgekehrt von ihrem Ausflug „Altstadt von Jakarta“, soll sie sogar die Bäume bedauert haben, die hier leben müssen. Wostock? Wer ist denn –? Na, der schmählich verlassene Russe; er soll die Mädchen, die ihm am Kai angedient wurden, mit den Worten „Alle Natascha!“ verjagt haben; in der Sansibar wirft er wohl nicht mal mehr mit Gläsern. „Unser Moritz“ – jaja, Moritz Kienast, der nautische Offizier – versucht ihn zu trösten: Die Siebzehn Tenöre seien in Wirklichkeit alles durchgefallne Sänger vom AIDA-Casting. Siebzehn Tenöre? Wer zum Teufel sind denn – undsoweiterundsofort, die Wiedersehensfreude ist groß, man muß nur lange genug an Bord bleiben, dann sind selbst Trauertage Freudentage. Jedenfalls bis uns Fasthuber einen Dämpfer verpaßt: Ob uns schon mal aufgefallen ist, daß wir bereits mit Volldampf auf die Straße von Malakka zuhalten? Höchstes Verkehrsaufkommen, höchstes Piratenaufkommen, im Mittel jedes siebte Schiff gekapert. Aufmerksamer als sonst behalten wir seitdem den Horizont im Auge, mißtrauisch beäugen wir jedes Schiff, das uns zu nahe kommt: Sind das etwa?

22.03.2007 Jakarta / Java / Indonesien

Ein erster Blick: auf den Nusantara-Kai

Das Wetter um 6 Uhr morgens: 26° C, WNW 4-5, 88%, bedeckt


In der Serie geglückte Landgänge: unsre gestrige Tagestour nach Borobodur. In Bussen, die mit „Parawisata“-Schildern deutlich als VIP-Bereiche gekennzeichnet waren; ein Polizeiwagen mit Blaulicht vorneweg, nicht zuletzt, um die Gegenspur für Überholmanöver freizuwinken. Der indonesische Reisebegleiter, er tanzt uns währenddessen im Buskorridor die klassischen Posen des Buddha vor: In der tausendjährigen Tempelanlage – 72 Buddhastatuen in kunstvoll durchbrochnen Steinstupas auf 9 Etagen – sollen wir sie wiederentdecken können. Vor einer der Stupas passiert es dann: Darin sitze ein Buddha, so der Reiseleiter, den es – durch das steinerne Gitterwerk hindurch – an den Fingern (Männer) bzw. Füßen (Frauen) zu berühren gelte, das bringe Glück. Alle greifen der Reihe nach zu, auch – immerhin unser Vorzeigechrist – der Bordpastor. Herr Pauw: „Na na na! Das werden wir mal gleich an den Vatikan melden.“ Der Pfarrer versucht abzuwiegeln, „Das war doch nur ein gymnastischer Test“, doch die Ereignisse nehmen bereits ihren Lauf. Am Fuß der Tempelpyramide, wie zufällig, Hermann, unser Videomann, der mit seiner Vierzigzentimeterzunge nach den fettesten Libellen schnappt. Am erstbesten Souvenirstand gelobt der Pfarrer, zum Zeichen seiner Buße einen gebatikten Talar zu erstehen, gerät dann aber über einige apokalyptisch anmutende Masken ziemlich unchristlich ins Feilschen (Sarah: „Darf der das denn, ey?“), am Ende hat er für einen Schnäppchenpreis so viele Masken erstanden, daß er damit seine komplette Heimatgemeinde umdekorieren könnte. Daß der Monsun niedergeht, kaum daß wir wieder den Bus erreicht haben, versteht sich; dann regnet es sogar in den Bus hinein, allerdings nur auf ##der## Seite, wo – Eins steht fest: In der Haut dieses Pfarrers möchte keiner von uns stecken.

21.03.2007 Semarang / Java / Indonesien

Ein erster Blick: Wir sind zwar noch nicht mal im Hafen, aber wir sehen sie schon wieder vor unserm innern Auge.

Das Wetter um 6 Uhr morgens: 24° C, NW 3-4, 84%, Regen


In der Serie mißglückte Landgänge: wieder mal unser Schiffsschreiber. Wie erst heute bekannt wird, hatte er sich auf Lombok eine Vespa gemietet und war dann, hupend, mit Vollgas Richtung Inselhauptstadt davongeheizt. Um dort, auf der Suche nach Sehenswürdigkeiten, von einer Polizeistreife gestellt und um einige Dollars erleichtert zu werden: Helmpflicht! Der Schiffsschreiber, der sich – so hat er’s unsern Bordbojenmaler „im Vertrauen“ wissen lassen – schon hinter Gittern sah, unsre Hütte ohne ihn mit Kurs auf Java, zahlte auf der Stelle, durfte dafür dann ohne Helm weiterfahren. Nachdem er ein bis zwei Stunden lang nach dem Rückweg gesucht hatte, kam er zurück zur Tenderstation; um dort sogleich in einen Pulk an Souvenirverkäufern zu geraten: Sie blockierten den Zugang zu unsern Booten mit echt gefälschten Rolex-Uhren und Chanel-Parfums, bedrängten ihn derart mit gebatikten Tüchern, Masken, Zigarettenstangen – „Tschiip tschiip!“ „Onli luk!“ –, daß er sich nur durch Anwendung von Gewalt einen Weg bahnen konnte. Dabei muß einiges zu Bruch gegangen sein. Was? Darüber hat sich der Schiffsschreiber bislang ausgeschwiegen, jedenfalls kam er ohne einen einzigen Dollar zurück an Bord. Soll dann zielstrebig auf Kabine gegangen sein, seine sämtlichen Restmünzen aus den bislang bereisten Ländern – „Das könnt ihr dann auch noch haben, ihr xxxx!“ – zu den Auslegerbooten hinuntergeworfen haben. Angeblich ist er jetzt ebenso pleite wie P., wir gönnen’s ihm von Herzen!
PS: Aus gewöhnlich gut unterrichteten Kreisen verlautet, daß der Polizist in Wirklichkeit der Hafenagent von Hagag-Lloyd war; Vespa-Ausritt des Schiffsschreibers wie anschließendes Handgemenge seien in Wirklichkeit Teil einer Erlebnistour „Lombok intensiv“ gewesen, von unsrer Touristikabteilung kurzfristig für 89 Euro ins Programm genommen. Abwegig!

20.03.2007

Ein erster Blick: Und es soll auch so bleiben.

Das Wetter um 6 Uhr morgens: 27,5° C, W 3-4, 94%, Regen


Nun also Asien. Ab 10 Uhr lagen wir auf Reede vor Lembar; noch vor dem Austendern: Angriff der indonesischen Auslegerboote, zeitweise bis zu 15 Kanus allein auf der Backbordseite, darin Halb- und Viertelwüchsige, die jeden unverhohlen um Geld anbetteln, der sich auf seinem Balkon zeigt: „Mista! Mista!“ Wir grüßen huldvoll von den verschiednen Decks, schießen Photos, gefallen uns darin, aufgeregtes Geschnatter in den Booten zu erzeugen, indem wir zusammengefaltete Dollars hinabwerfen. Langsam trudeln die Scheine nach unten, welches Boot ist am nächsten dran, mitunter springt ein Junge in voller Montur ins Wasser, großes Gekreisch, um dem Paddel der Konkurrenz mit einem beherzten Griff zuvorzukommen. Bald flattert auf diese Weise nicht nur Geld nach unten; einmal sieht man eine prallgrüne Plastiktüte, wohlverknotet, in der Größe unsrer Abfallbeutel, nach unten rauschen – man fängt sie direkt vom Boot aus lässig mit dem Kescher auf. Was mag da eben entsorgt worden sein? „Die sind ganz scharf auf Seife“, wird Immmobilienjongleur P. später erzählen, „eben Boat people“. Er habe der Reihe nach das komplette EUROPA-Reinigungsset „über Bord gehen lassen“, Duschgel-Shampoo-Haarspülung-Körperlotion, schließlich bekomme man alles automatisch von der Kabinenstewardeß nachgerüstet. P. brüstet sich damit, am Ende auch noch einen leeren Deoroller über die Reling geworfen zu haben, „die Jungs da unten“ seien ihm tatsächlich hinterhergetaucht. Vergeblich. P.: „Wahrscheinlich hätten sie ja eh nicht gewußt, was es ist.“ Professor Billhardt: „Schämen sollten Sie sich!“ Leider hält er uns sogleich eine Vorlesung über postkolonialistisches Verhalten am Rande touristischer Eroberungszüge (oder so ähnlich). Sarah, mit ihren Gedanken wie immer woanders: „Aber in Acapulco, ey, da sind sie noch von viel höher gesprungen.“

19.03.2007 Lombok / Lembar

Ein erster Blick: Asien! Und gleich mit einem 3726m hohen Vulkan.

Das Wetter um 6 Uhr morgens: 27° C, W 2-3, 78%, bewölkt


Gestern, Seetag, 18:30 Uhr: „Im Rahmen einer kleinen Modenschau stellt Ihnen die Bordboutique sportliche Mode für den Landgang und Wohlfühl-Mode für den Seetag vor.“ Die sechs Models: Nancy (unsre Krankenschwester), Silvio (der HIC, Hotel Inventary Controller), Verena (Rezeption), Daniel (Nachtsteward), Daniela (Piano-Bar im Atrium), Christian (Touristik). Der Moderator: unser Entertainment Manager. Die Abfolge: vier Sets, der Entertainment Manager moderiert jedes Model an, sobald es die Clipper Lounge betritt: „Sie zeigt uns eine Escada Hose in Marine mit Glanzeffekt, dazu trägt sie ein Sansibar-Polo in Rosa mit Swarowski-Steinen und darüber …“ „An seiner Hand trägt er eine Lange 1 Platin in XL Größe … “ Nur einmal hält sich der Entertainment Manager nicht an den vorgegebnen Text, kommentiert den Auftritt eines unsrer Models mit den Worten: „Ist schon lange auf dem Schiff, aber man merkt’s ihr nicht an, gute Figur.“ Nach dem Schlußapplaus blicken wir etwas betroffen, was wird man uns denn anmerken, die wir auch schon ein Weilchen hier in unsrer Hütte hausen? Frau Igelbrink: Na gut, jetzt müsse’s heraus, sie habe bereits 4 kg zugenommen. Frau Frunzke: Das sei ja gar nichts, 6 kg. Herr Riebenstein: Er wisse von einem Herrn, der schon 18 kg zugenommen habe. Nur die Kipp-Oehljeklaus will sogar abgenommen haben, muß sich von Herrn Wöstenkühler, der fernöstliche Weltanschauungen für „Kappes“ hält, verspotten lassen: „Das kommt von ihrer mickrigen Einstellung“. Nur unser dichtender Schrotthändler gewohnt souverän, Hellmuth Opitz, seit Jahr und Tag lege er zu, ob an Land, ob auf See, und das sei gut so: „Mein Leib ist immer noch / ein Tempel. Nur daß jetzt mehr / Gläubige Platz darin finden.“ Wir blicken uns an, schon 19:20 Uhr, wenn das der Beginn einer Verlotterungsode sein sollte, dann ist’s jetzt höchste Zeit fürs Europa-Restaurant.