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Matthias Politycki Radio
 Essays & Artikel   Die beiden Enden der Sehnsucht

Die beiden Enden der Sehnsucht

17/02/2007 - 18/02/2007
Matthias Politycki
Die beiden Enden der Sehnsucht
Wie sich im Laufe einer Kreuzfahrt die Perspektiven verschieben



erschienen/erscheint in:
Radio Bremen, mareradio, 4+5/3/07; u.d.T. "Die Sehnsucht der Reisenden auf Kreuzfahrt" auf welt.de, 30/7/08; DIE WELT, 31/7/08; Hin und Weg. Das Merian live! Magazin für Reisesüchtige, 3/09.

 

Leseprobe

Die Sehnsucht des Kurzreisenden
Die meisten Passagiere auf einem Schiff wie der EUROPA haben einen, vielleicht noch einen weiteren Reiseabschnitt gebucht; nach zwei, spätestens vier Wochen fahren sie wieder nach Hause. Der Vorteil: Im Unterschied zu den Langzeit- oder gar Weltreisenden haben sie zwar nur einen gewissen Teil der Welt abgeklappert – Mittelamerika zum Beispiel, die Südsee, Australien –, den jedoch mit frischem Eifer und also recht systematisch. Wirklich? Das Schiff legt im Schnitt jeden 1,7ten Tag in einem andern Hafen an bzw. geht davor auf Reede, innerhalb eines eng gesteckten Gebietes wie z.B. der Karibik gibt es sogar noch weniger Seetage, man sieht de facto ein bißchen mehr, als statistisch zu erwarten. Das Problem: Man sieht es zwar, kommt bei der raschen Abfolge der Inseln aber spätestens nach der dritten, vierten ins Schleudern – Moment mal, waren wir in Grand Cayman nicht schon mal? Oder, anders herum gefragt, was war eigentlich los in Grand Cayman, wie sah’s denn dort überhaupt aus? Der Fluch der Karibik, man reist, steigt aus, sieht sich etwas an, reist weiter, sieht sich am nächsten Tag etwas anderes, freilich Ähnliches an, etwas Ähnliches, freilich anderes, steigt wieder ein, reist weiter. Am Ende hat man viel zu viel und doch auch zu wenig gesehen – sagen wir: zehn verschiedne Inseln, oder eigentlich: zehn verschiedne Hafenstädte, vielleicht ein bißchen mehr, wenn man die entsprechenden Tagesausflüge alle wahrgenommen hat. Kann das wirklich schon alles gewesen sein, die Karibik?
Zu wenig bekommt man auch vom Schiff selbst mit, vom Schiffsleben, jedenfalls hat man das Gefühl, ständig etwas zu versäumen, eine der sechs Mahlzeiten, einen der länderkundlichen Vorträge, eines der Konzerte, der Spieletreffs, der Lesungen. Der Fluch des Tagesprogramms, selbst beim besten Willen kann man nicht alles „mitnehmen“, immer kommt man irgendwie zu kurz, bei den Kaviarportionen der Welcome-Gala fängt es an (...)




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