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Matthias Politycki Radio
 Interviews & Gespräche   Den Klischees auf den Grund gehen

Den Klischees auf den Grund gehen

08/06/2006
Matthias Politycki
Den Klischees auf den Grund gehen
Gespräch mit Silvia Tyburski über die bevorstehende Schiffsschreiberschaft auf MS Europa



erschienen/erscheint in:
gekürzt u.d.T. „Leinen los!“ in „Für Sie“ 17/2006, 8.8.06

 
Abgesehen vom Luxus – was reizt Sie daran, auf eine Kreuzfahrt zu gehen?
Nicht zuletzt die Tatsache, daß man nur so die Möglichkeit hat, all den Klischees darüber auf den Grund zu gehen.

Sie haben sich bereits an Bord der MS Europa umgesehen. Können Sie das Schiff und Ihre Kabine beschreiben?
Das Erstaunlichste war die Rolltreppe, die (anstelle eines simplen Lastenaufzugs) vom Küchenbereich zum Restaurant führt – und dieses Prinzip der genau kalkulierten Raumverschwendung setzt sich bis in die einzelne Kabine fort, dort immerhin noch auf 26 qm.

Was ist dem ersten Eindruck nach das Highlight auf der MS Europa?
Die „Sansibar“ im Heck des Schiffes, sie ist sogar noch besser gelegen als das Sylter Original.

Können Sie einige konkrete Beispiele nennen, wie genau Ihre Recherche aussehen wird?
Sie sollte sich jedenfalls nicht auf den Passagierbereich beschränken; wie tief ich in die Katakomben des Schiffes hinabsteigen werde, wird sich freilich auf der Kapitänsbrücke entscheiden.

Welches der Angebote möchten Sie an Bord auf jeden Fall ausprobieren?
Den Golfsimulator – für einen alten Fußballer wie mich die Verkörperung des Absurden schlechthin. Vielleicht werde ich diesen Sport ja wenigstens als Simulationserlebnis begreifen können.

Auf welches der Länder, in denen Sie Station machen, freuen Sie sich am meisten und warum?
Auf Kuba, genau genommen, Santiago de Cuba: eine traumhafte Bucht und am Kai dann das versammelte Romanpersonal aus „Herr der Hörner“, in dezentem Abstand dazu die Herrschaften von der Geheimpolizei – das ist nicht zu toppen.

Welche Erfahrung haben Sie schon als Kreuzfahrtpassagier oder als Seefahrer gesammelt?
Eher Nichterfahrungen. Abgesehen von der unvermeidlichen Nachtfähre Dover-Calais (als Schüler) und etlichen griechischen, indischen und karibischen Problembooten vor allem im Linienverkehr nach Helgoland (mein früheres Schreibexil) – da wurde man früher immerhin noch ausgebootet, auch bei rauher See.

Haben Sie Bedenken, dass das „Eingesperrtsein“ auf dem Schiff, wenn auch einem sehr großen, mit anderen Passagieren Sie nerven wird?
105 der insgesamt 180 Tage, die für die Fahrt veranschlagt sind, werden mit Landgängen bestritten, an Auslauf wird also kein Mangel sein. Nerven wird wohl eher die tägliche Konfrontation mit Buffets, die nicht mal in einem ganzen Jahr zu bewältigen wären.

Sie werden als „Gegenleistung“ alle paar Wochen eine Lesung für die Passagiere halten. Welche Lektüre werden sie selbst mitnehmen?
Den neuen Gedichtband von Hellmuth Opitz („Die Sekunden vor Augenaufschlag“) fürs Vergnügen und einen der dicken Pflichtklassiker, vor deren Lektüre ich mich bislang gedrückt habe.

Was sagt Ihre Frau dazu, daß Sie ein halbes Jahr lang eine Fernbeziehung führen müssen?
Oje.

Wird Ihr nächstes Buch von einer Kreuzfahrt handeln?
Nein, das wird ein Essayband, „Vom Verschwinden der Dinge in der Zukunft“, der im Frühjahr ’07 erscheinen soll. An Bord werde ich dann auch schon fürs übernächste Buch arbeiten müssen, Abgabetermine gelten ja nicht nur auf dem festen Land.




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