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Matthias Politycki Radio
 Essays & Artikel   Der Kleine Hussein

Der Kleine Hussein

12/12/2013 - 25/12/2013
Matthias Politycki
Der Kleine Hussein


erschienen/erscheint in:
zus. mit 9 Photos im Katalog der Ausstellung „Reisen. Fotos von unterwegs“ im Marbacher Literaturmuseum der Moderne, 15.5.-5.10.2014, Hg. Heike Gfrereis, Marbach (Deutsche Schillergesellschaft) 2014.

 

Leseprobe

Früher habe ich auf meinen Reisen ganz gerne Photos geschossen. Das änderte sich, als ich anfing, gewisser literarischer Projekte wegen aufzubrechen. Dafür Notizen zu machen und zu photographieren, fiel mir schwer. Als Photograph hält man Ausschau nach interessanten Ausschnitten, dabei blendet man das meiste aus, was gerade zu sehen ist. Beim Notizenmachen hingegen ist man in der Wahrnehmung auf Totale und Rundumblick programmiert. Die Details, die man dabei entdeckt, ließen sich kaum je zum Gesamtensemble eines Bildes zusammenfügen.
Daher habe ich im Ausland zwar eine kleine Canon Ixus 65 dabei, doch ich benütze sie in der Regel nur, wenn ich „einfach so“ unterwegs bin, ohne Recherchedruck für ein literarisches Projekt. Sofern ich die Schauplätze eines neu entstehenden Romans ablaufe, weiß ich ja ziemlich genau, worauf ich bzw. meine Figuren hinaus wollen. Und daß ich nicht mit Bildern nach Hause kommen sollte, sondern mit Sätzen, die dann das Rückgrat der Niederschrift bilden. Etwas anderes ist es freilich, wenn ich im Auftrag eines Magazins unterwegs bin: Erst im Lauf der Reise findet sich das Thema, verengt sich der Blickwinkel entsprechend; bis es soweit ist, notiere ich gewissermaßen auf Halde – und photographiere entsprechend. Wer weiß, was später wichtig sein könnte, und sei’s auch nur ein Bild, bei dessen Betrachtung mir wieder all das einfällt, was gar nicht darauf zu sehen ist, vielleicht sogar ein Satz.
So war es auch, als mich die MERIAN-Redaktion zum Wandern in den Sinai schickte. Ein einflußreicher Berber aus St. Catherine Village nahm mich in Empfang und brachte mich zu einem Felsengarten, wie es sie in einigen Tälern des Zentralmassivs noch gibt. Schon auf dem Weg dorthin übergab er mich an meinen Bergführer, den „Kleinen Hussein“, im Garten selbst erwartete uns dessen Frau. Wenn wir, der Kleine Hussein und ich, in den Tagen danach nicht gerade unterwegs waren, verbrachten wir unsre Zeit im Garten. Aber wir waren meistens unterwegs.
Natürlich begannen wir mit dem Mosesberg, dem Katharinenberg und all den anderen berühmten Gipfeln, Quellen und Dornbüschen des Sinai [...]




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