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Matthias Politycki Radio
 Interviews & Gespräche   "Ein Romanstoff, der es in sich hat"

"Ein Romanstoff, der es in sich hat"

19/09/2013 - 09/10/2013
Matthias Politycki
"Ein Romanstoff, der es in sich hat"
Interview: Andrea Herdegen



erschienen/erscheint in:
http://www.frankenpost.de, 12/11/13; gekürzt in: Frankenpost, 12/11/13.

 
Herr Politycki, was ist Ihr neues Buch: Science-Fiction, Kriegs-, Abenteuer-, Liebes- oder Gebirgs-Roman?

Gewiß kein Science-Fiction. Gern hingegen Abenteuer-, Liebes- oder Gebirgsroman, wenn man unbedingt ein Etikett dafür möchte; das steckt zumindest alles mit drin, und je nach Leserpräferenz liest der eine das Buch so, der andere so.

Sie haben auf jeden Fall einen düsteren Zukunftsroman geschrieben. Blicken Sie mit Furcht auf kommende Zeiten?

Nein, dazu bin ich nach wie vor zu sehr Romantiker. Wenn man sich länger in der Fremde aufhält, bekommt man aber zwangsläufig mit, wie unwichtig Europa in vielen Teilen der Welt bereits geworden ist. Und wie aggressiv gewisse Entwicklungen dort stattfinden, denen wir in Mitteleuropa mit unsrer ethisch eingebremsten Energie kaum etwas entgegenzusetzen hätten. Es liegt etwas in der Luft, soweit merken wir es mittlerweile sogar in Deutschland. Es wird Veränderungen geben, keineswegs zu unserem Vorteil. Und das auf einem Niveau, das wir längst überwunden glaubten: Vor dem Fall des Eisernen Vorhangs wäre doch kaum einer auf die Idee gekommen, daß nach den großen ideologischen die kleinen ethnischen Konflikte ausgetragen werden und auf geradezu mittelalterlich anmutende Weise da oder dort auch gleich kriegerisch eskalieren. Man denke nur an Jugoslawien. An die brennenden Pariser Vorstädte. An die Rassenunruhen in London. All das zusammen bzw. das, was dahintersteht, ergibt zumindest einen Romanstoff, der es in sich hat.

Über Samarkand einen Roman zu schreiben, haben Sie bereits bei Ihrem ersten Besuch vor 26 Jahren beschlossen. Erst jetzt ist er fertig geworden. Warum hat das so lange gedauert?

1987, als ich das erste Mal dort war, war ich ja noch ein experimenteller Autor. In meinem ersten Roman ging es um die Farbe der Vokale – rückblickend betrachtet, war das schon etwas sehr Spezielles. Mit diesem Selbstverständnis als Schriftsteller – und erst recht: mit meinen damaligen Mitteln – hätte ich einen Roman wie „Samarkand Samarkand“ nie und nimmer schreiben können. Ein experimenteller Text ist ja viel leichter zu schreiben als einer, der zumindest so tut, als sei er realistisch erzählt. Der muß in jeder Szene, in jedem Satz für den Leser nachvollziehbar sein, so überzeugend glaubwürdig, daß man niemals ins Zweifeln gerät und aus der Illusion der Geschichte herausgerissen wird. Dazu muß der Text aber verdammt gut recherchiert sein! Als Erzähler muß man viel mehr über seine Figuren und Handlungsorte wissen, als man dann im Text tatsächlich verwertet; im Grunde ist man während der Niederschrift hauptsächlich mit Weglassen beschäftigt, will man den Stoff möglichst schlank für den Leser halten. All die technischen Fähigkeiten, meinen Stoff angemessen zu bewältigen, hatte ich 1987 noch lange nicht.

Der Titel „Samarkand Samarkand“ liest sich schon wie eine Zauberformel. Ist diese Stadt für Sie ein Sehnsuchtsort?

Das ist sie doch für viele, oder? Wir assoziieren die Seidenstraße, märchenhafte Basare und Moscheen. Einiges davon gibt es im heutigen Samarkand ja auch noch. Ist man allerdings länger dort als ein paar Tage, erkennt man auch die Schattenseiten: zum einen der Staat, zu dem Samarkand derzeit gehört, und seine schillernden Protagonisten. Zum anderen jedoch auch die geostrategische Lage: Samarkand liegt an einer Schnittstelle von Kulturen, die schon seit Jahrtausenden erobert, zerstört, wieder aufgebaut oder zum Zentrum eigener Eroberungszüge gemacht wurde: von Alexander dem Großen über Dschingis Chan bis Timur, und dann kamen ja erst noch die arabischen, später die russischen Eroberer. Seit Jahrtausenden ist Samarkand der Knotenpunkt der wichtigsten Handelswege in Zentralasien, zwischen der Wüste bzw. der Hungersteppe und einem eminenten Gebirgsmassiv gelegen, wer von Ost nach West reist, muß da fast zwangsläufig durch. Und das sind beileibe nicht nur Händler. Auch heutzutage kommt es immer wieder zu ethnischen Konflikten, regelrechten Pogromen, brechen Kriege und Bürgerkriege aus. Seit der Unabhängigkeit Usbekistans zwar bislang nur in den Nachbarländern Afghanistan, Tadschikistan, Kirgistan; Usbekistan selbst ist zum Glück bis heute davon verschont geblieben. Dennoch stoßen auch und gerade hier die Machtblöcke der alten und neuen Weltmächte aneinander: Russland, China, der Westen, nicht zu unterschätzen die islamischen Fundamentalisten, die längst im Land selbst operieren. Nichtsdestoweniger haben Sie recht: Das bloße Wort „Samarkand“ ist und bleibt eine Zauberformel, vor allem wenn man’s zweimal sagt.

Sie haben mal gesagt: „Wir Schriftsteller können unsere Stoffe nicht wählen, sie wählen uns.“ War das bei „Samarkand Samarkand“ auch so?

Auf jeden Fall. Samarkand habe ich 1987 im Rahmen einer UdSSR-Reise kennengelernt, ich wußte so gut wie nichts über diese Stadt, als ich sie betrat. Hatte also keinerlei Vorerwartung, vielleicht war die Wirkung deshalb so umwerfend. Es war bereits die Zeit von Glasnost, zwei Jahre später fiel die Mauer, der Beginn einer neuen Ära. Das Brodeln des Neuen war in Samarkand bereits zu spüren, allerdings nicht unbedingt auf friedliche Weise. So nahm ich es jedenfalls wahr, ich vermeinte, die Vorboten künftiger Auseinandersetzungen zu spüren. Und schon galoppierte die Phantasie mit mir davon, ohne sich weiter um die Realitäten zu kümmern. Ich hätte das, was mir damals als allererste Idee des Romans so heftig in den Kopf schoß, am liebsten sofort zu Papier gebracht. Zum Glück konnte ich es nicht.

Aber Sie ahnten damals schon, wie sich die Geschichte entwickeln würde...

Wobei das eher ein vages Gefühl war, in etwa: Das mit der UdSSR, das haut nicht mehr lange hin. Die Russen fliegen hier bald raus. Und zwar mit Gewalt. Ich hatte tatsächlich mit einem Mal das Gefühl: Hier wird er losgehen, der Dritte Weltkrieg. Gott sei Dank war das nur eine naive Phantasie. Aber Krieg gab es dann doch, reihum in den Nachbarländern – insofern bin ich erschüttert, wie sehr die Wirklichkeit meinen Romanstoff mittlerweile eingeholt hat. Und froh, daß ich den Roman endlich geschrieben habe, wer weiß, was in Zentralasien als nächstes noch alles passiert.

Sie beschreiben in Ihrem Roman die aus der Zeit gefallene Welt Zentralasiens. Gibt es diesen Kosmos tatsächlich noch so?

Die Moderne hat dort allenfalls in den Metropolen Einzug gehalten. Zumindest in den Bergen hat sich parallel dazu eine vormodern anmutende Lebensweise eralten, um es nicht gleich als eine Art Mittelalter zu etikettieren. In „Samarkand Samarkand“ beschreibe ich diese merkwürdige Melange in Zeiten des Krieges. Bereits heute liegen sich in manchen Tälern die Al-Quaida und usbekischen Regierungstruppen direkt gegenüber, regieren tadschikische Kriegsfürsten ganze Täler. Nicht nur einmal habe ich erlebt, daß meine Bergführer mit mir deshalb weite Umwege gehen oder auf manche Touren ganz verzichten mußten. Ja, in manchen Regionen Zentralasiens brodelt es nach wie vor, man muß – um zum Mittelalterlichen zurückzukommen – tatsächlich von Tal zu Tal gucken, wer dort gerade an der Macht ist und sein Duodezfürstentum errichtet hat. Aber es gibt auch die positiven Seiten dessen, das uns wie aus der Zeit gefallen anmutet und doch nichts anderes ist als gelebte Tradition, die nie abgebrochen ist: die Tee-Betten, auf die man sich lagert. Die unglaublich herzliche Gastfreundschaft. Das Ritual des Brotbrechens. In solch einer Geste schwingt viel mit, das uns in Mitteleuropa weitgehend verlorengegangen ist.

Sie waren zur Vorbereitung Ihres Romans mit Bergführer und Esel im Pamir-Gebirge unterwegs. Haben Sie das unbarmherzige „Gesetz der Berge“ am eigenen Leib verspürt?

So, wie es im Roman thematisiert wird, ist das „Gesetz der Berge“  natürlich eine Erfindung. Aber das hohe Ethos, das ihm zugrundeliegt, gibt es im Hochgebirge schon. Eine andere Art von Zuverlässigkeit, um in einer feindlichen Natur zu überleben. Eine andere Art von Kameradschaft, wenn das altmodische Wort hier ausnahmsweise einmal erlaubt ist. Man ist ja nur mit normalen Wanderschuhen unterwegs, wenn überhaupt, überquert selbst Gletscher ohne Krampen oder Seil, da muß man sich auf die anderen bedingungslos verlassen können. Im Hochgebirge erlebt man die Natur als Herausforderung, durchaus auch als Bedrohung: Wenn auf vier-, fünftausend Meter Höhe ein Gewitter aufzieht, muß man wirklich zusehen, daß man rechtzeitig in Deckung gehen kann. Will man einen Bach durchqueren, reicht es nicht, mal kurz die Hosen hochzukrempeln und durchzuwaten, da studiert man die Strudel und Schnellen, muß sich überwinden, in diese reißenden Wasser dann tatsächlich hineinzugehen. Auch das gehört zum „Gesetz der Berge“: Die Natur ist hier noch nicht vom Menschen gezähmt, sie ist oft der Stärkere. Diese Herausforderung muß man Tag für Tag neu annehmen.

Sie haben in den Bergen gelernt, nur das Wesentliche festzuhalten...

Meine Bergführer verstanden glücklicherweise, was ich tat, wenn ich mal zurückblieb. Mit dem Notizenmachen konnte ich ja nicht warten, bis ich wieder im Tal war; ein Roman lebt nicht zuletzt von diesen „authentischen“ Beobachtungen und Beschreibungen, die man am Schreibtisch niemals erfinden könnte. Doch da oben ist es meist kalt oder windig, man konzentriert sich beim Aufnotieren ganz von alleine aufs Allernotwenigste. Man reduziert sich in den Bergen ja sowieso aufs Wesentliche: gehen, schauen, essen, trinken, schlafen, kaum mehr. Das wirkt sich auch aufs Schreiben aus. Interessanterweise wurde meine Phanatasie immer reger, je härter die äußeren Bedingungen waren; mir fielen sogar Passagen des Romans ein, die gar nicht im Gebirge spielen.

War dieses Buch für Sie eine Grenzerfahrung auch im literarischen Sinn?

Nicht umsonst bin ich ja 25 Jahre lang immer wieder daran gescheitert. Der Durchbruch kam während einer dieser Wanderungen. An einem der Hänge im Pamir-Gebirge spürte ich plötzlich: Wenn du diesen Gletscher, der da noch vor uns liegt, wirklich schaffen solltest, dann schaffst du auch den Roman. Als ich dann nach Hause kam und anfing zu schreiben, ging alles wahnsinnig schnell. Als ob die 25 Jahre einen solchen Druck aufgebaut hatten, daß das Losschreiben wie eine Erlösung war.

Wußten Sie, als Sie mit der Arbeit begannen, wie der Roman ausgeht?

Beim Romanschreiben ist es ja wie beim Hausbauen: Man kann da nicht einfach draufloswursteln, man sollte von Anfang an wissen, wohin man will. Und also vom Schluß her, rückwirkend bis zum ersten Satz, alles durchdacht und entsprechend arrangiert haben. Aber: Ich liebe Bücher, die auf der letzten Seite nicht zu Ende sind. Bei denen man sich als Leser fragt, Moment mal, was habe ich da eigentlich die ganze Zeit gelesen, möglicherweise überlesen, was könnte ich jetzt mit ganz anderen Augen lesen, würde ich noch mal von vorn anfangen? Diesen Effekt muß man beim Schreiben freilich von Anfang an im Auge behalten, auf daß am Ende mehrere Lesarten des Schlusses und damit des gesamten Romans auch tatsächlich plausibel sind. Ich habe also auch „Samarkand Samarkand“ von Anfang an mit doppelter oder dreifacher Buchführung geschrieben, was Figuren oder Ereignisse betrifft, und natürlich wußte ich lange nicht, für welchen der vorbereiteten Schlüsse ich mich am Ende entscheiden würde. Ich schwankte sogar noch auf der allerletzten Seite. Mit dem Schluß, den ich bis dahin favorisierte, wäre das Buch noch 300 Seiten länger geworden. Aber ein anderer Schluß (der andere Schlüsse in sich barg) war am Ende plötzlich stärker, dagegen gab es kein Mittel. Ein paar Tage lang stand ich richtig unter Schock, daß ich diese 300 Seiten nicht auch noch schreiben durfte. Von meinen Lesern erfahre ich mittlerweile übrigens, daß der Romanschluß noch ganz anders gelesen werden kann als von mir geplant, manche erzählen mir sogar von einem Happy-End. Darauf wäre ich im Traum nicht gekommen.

Für Sie sind die Lesungen also wichtig, weil Sie wissen wollen, wie sich die Leser in Ihr Buch hineindenken?

Von meinen Lesern lerne ich eine ganze Menge über meine Bücher. Schließlich schreibe ich ja nicht nur für mich selber. Abgesehen davon gehört es zum Lesen doch dazu, daß man anschließend mit anderen darüber reden und die eigene Leseerfahrung mit ihnen abgleichen möchte. Noch dazu bei einem Buch wie „Samarkand Samarkand“, das unsre unmittelbare Zukunft verhandelt, die Jahre 2027 bis 2029; manchmal kommen da schon während der Lesung richtige Debatten im Publikum auf. Wenn ein Roman solch eine Tür aufstoßen kann, dann reicht es, daß er die richtigen Fragen stellt; Antworten müssen andere geben.

Was für ein Mensch ist der Held Ihres Buches, Alexander Kaufner?

Ein „Guter“ ist er jedenfalls nicht, auch wenn er glaubt, für das Gute zu kämpfen – die Idee eines aufgeklärten Europas, das ausgerechnet Toleranz und friedliches Miteinander mit kriegerischen Mitteln verteidigen muß. Immerhin hat er sich, recht spät in seinem Leben, für eine Sache entschieden und ist bereit, dafür bis an seine Grenzen zu gehen und darüber hinaus. Gegen alle Widerstände begibt er sich auf einen Leidensweg, der ihn spätestens am Ende zu einem Charakter macht.

Er ist 58, genauso alt wie Sie. Gibt es überdies noch autobiografische Bezüge?

Für diesen Roman brauchte ich eine Hauptfigur, die Russisch sprechen kann, sonst kommt man in den ehemaligen Sowjetrepubliken nicht weiter. Wer im Westen großgeworden ist und Russisch spricht, hat es in der Regel studiert; ich wollte aber einen anderen, kernigeren Charakter. Also einen mit DDR-Jugend, dort hat ja jeder Russisch gelernt. Überdies mußte meine Hauptfigur seinen Wehrdienst bei der NVA abgeleistet haben, und zwar an der innerdeutschen Grenze. Damit kommen Sie zwangsläufig auf 1971 als den spätest möglichen Geburtsjahrgang für Kaufner. Und den mußte ich auch nehmen, ich konnte ja keinen 68jährigen in die zentralasiatischen Gebirge schicken, das wäre für ihn von vornherein nicht mehr zu schaffen gewesen. – Abgesehen vom Alter ist Kaufner also ein völlig Anderer als ich. Beim Konzipieren einer Figur darf ich mich nicht von der eigenen Biographie verlocken lassen; ich muß immer von dem her denken, was ich für den Roman an Charaktereigenschaften und Fertigkeiten brauche, nicht von dem her, was ich zufällig selber mitbringe.

Mit Ihren Romanen wollen Sie nicht nur unterhalten. Sie wollen, daß Literatur „ein bißchen wehtut“. Ihr neues Buch ist ja durchaus Provokation: Wenn der freie Westen ums Überleben kämpft, Russen und Araber auf dem Vormarsch sind und die Immigranten Deutschland verteidigen.

Man wählt sich seine Stoffe nicht freiwillig. Hätte ich bei diesem Thema nicht um Leben und Tod geschrieben, dann hätte ich was falsch gemacht – bereits das Schreiben tat manchmal richtig weh. Trotzdem mußte ich auch diesen Stoff als Autor ganz kalt machen, um ihn optimal bearbeiten zu können. Durfte ihn also nicht als mitfühlender Mensch betrachten, aus weltanschaulichen Gründen entschärfen oder gar politisch korrekt zum guten Ende führen. Im Gegenteil! Wenn ich mich einmal für diesen Stoff entschieden habe, muß ich als Schriftsteller bereit sein, die härtestmöglichen Konsequenzen daraus zu ziehen. Ganz anders der Mitbürger und Zeitzeuge, der ich ja auch immer bin: Da sehe ich durchaus Entwicklungen, die mir zu denken geben. Der Rückzug Amerikas von der Weltbühne, um nur eine zu nennen. Vor allem: der Rückzug Amerikas aus Europa! Wenn es zwischen der Welt meines Romans und der Wirklichkeit Schnittmengen gibt, die einem beim Lesen wehtun können, so liegt das nicht zuletzt daran, daß ich so lange gebraucht habe, um den Stoff zu Papier zu bringen: Mittlerweile hat ihn die Wirklichkeit ja fast schon eingeholt.

Soll das Buch auch Kritik an heutigen gesellschaftlichen Mißständen üben?

Einen Roman sollte man meiner Meinung nach nicht mit einer weltanschaulichen Botschaft schreiben. Alles was ich bei „Samarkand Samarkand“ wollte, war, die ursprüngliche Vision des Romans trotz all der Arbeit, die über die Jahrzehnte hineingeflossen ist, so spannend und stringent wie möglich zu Papier zu bringen. Mehr nicht. Über eine Botschaft denke ich beim Schreiben nicht nach. – Abgesehen davon bin und bleibe ich bis zum Rest meines Lebens ein überzeugter Europäer, und finde es erschütternd, wie sehr wir die Idee „Europa“ mittlerweile zur Eurokrisen-Region heruntergewirtschaftet haben. Wie wenig uns bewußt ist, daß diese Idee nichts Geringeres als die beste aller denkbaren Welten ermöglicht hat, ganz konkret und hier und jetzt. Es sollte uns wieder deutlicher bewußt werden, daß wir uns das durch lange Jahrhunderte des Krieges, aber auch des Nachdenkens, der Aufklärung, der Toleranz-Einübung erarbeitet haben. Das Ergebnis ist keine Selbstverständlichkeit, es darf nicht durch Gleichgültigkeit achtlos preisgegeben werden. Die Idee Europa muß von jeder Generation aufs neue erarbeitet werden, gerade in einer globalisierten Welt, in der die Aufklärung allerorts auf dem Rückzug ist.




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