Menü öffnen
Menü schließen





english version



Matthias Politycki Radio

Leseprobe

DAS GEDICHT Bd. 20
Das Beste aus 20 Jahren … und für die nächsten 20 Jahre


Aus dem Editorial von M.P

Das Arsenal der Techniken, den lyrischen Zauber auf Leser zu übertragen, ist zwar von alters her bekannt und von jeder Epoche variiert und ergänzt worden; mit Anbruch der Moderne und ihrer Huldigung des Hermetischen wurden sie aber gern als Formhuberei derer abgetan, die zum wahren Sehertum nicht berufen sind. Am Ende dieser Entwicklung, die auch im Bereich der Poesie ins Anything goes postmoderner Beliebigkeit mündet, besinnen sich die Lyriker seit einigen Jahren jedoch wieder verstärkt auf die „klassischen“ Rahmenbedingungen ihrer Produktion, schreiben und publizieren lesbare Gedichte in des Wortes bester Bedeutung. Realpoesie versteht sich nicht als Referenzmedium einer Elite, sie vermittelt sich auch einem breiteren Publikum unmittelbar. Um zu wirken verschmäht sie selbst Pointe und Sentenz nicht, manche ihrer Verse lernen sich ganz von alleine auswendig. Indem sie nicht erst über den Umweg der Dechiffrierung Leselust erzeugt, wird ihr innerster Wesenskern sofort spürbar und für den Leser miterlebbar: der tiefe Ernst, der letztlich fast jedes Gedicht beglaubigt, gerade auch wenn es heiter daherkommt.
Realpoeten, wie ich sie verstehe, sind Lyriker, die in allererster Linie für Leser schreiben, ob sie dabei mehr ins Sprachexperimentelle oder ins Erzählerische gehen, ist sekundär. Sie möchten eine Erfahrung nicht nur irgendwie zu Papier bringen, sondern mitteilen, mehr noch: mit ihren Lesern teilen. Und tragen also immer Sorge, daß die poetische Botschaft auch ankommt. Das war einige Jahre lang nicht die Selbstverständlichkeit, die es eigentlich sein sollte; im Gegenteil! Lediglich wer behauptete, für sich selber (und niemand sonst) zu schreiben, war en vogue und auch gleich unter Genialitätsverdacht. Damit scheint es nun, zum Glück, erst einmal wieder vorbei zu sein (...)


Aus dem Editorial von Anton G. Leitner


»Wie verändern Grenzerfahrungen das eigene Ich?«, so lautete im Sommer 2012 die Fragestellung einer ARD-Talkshow. Moderator Reinhold Beckmann sprach mit Survival-Experten, die im Dschungel unter Indianern leben oder freizeitmäßig in die Wildnis Kanadas fliehen. Nun mag der Nervenkitzel für Leute, die in einen Bürokokon eingesponnen sind und sich dabei täglich der Gefahr aussetzen, hinter ihren DIN- und ISO-zertifizierten Bildschirmarbeitsplätzen einzustauben, tatsächlich gewaltig sein, wenn sie beim Fliegenfischen in Nordamerika unter Aufsicht von Wildhütern alle Jahre wieder einem Grizzly die Pfote schütteln. Wer wirklich sein Limit austesten möchte, sollte eher versuchen, ohne Kapital eine Lyrikzeitschrift zu gründen. Wenn er dann seine Poesiearche zwei Jahrzehnte lang aus eigener Kraft durch verminte und nicht selten auch haifischverseuchte Gewässer gerudert hat, braucht er sich nicht mehr mit theoretischen Überlegungen zu quälen, wie ihn so ein ›Abenteuer‹ verändert. Wirkliche Überlebenskämpfe werden weit weg von Dschungelcamps ausgefochten (...)

Aktuell:
Link zu 'Schrecklich schön und weit und wild'
Link zu 'Reduktion und Tempo'
Link zu '42,195'
 
Nächster Termin
26/06/2017
19:30 Uhr
Frankfurt
Schrecklich schön und weit und wild
 
Aktuelles Video