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Matthias Politycki Radio
 Romane   Aus Fälle/Zerlegung des Regenbogens

Aus Fälle/Zerlegung des Regenbogens

16/01/1985
Matthias Politycki
Aus Fälle/Zerlegung des Regenbogens
Ein Entwickelungsroman

1122 Seiten (561 Druckseiten)
ISBN 3-88897-028-8
1.000 numerierte Exemplare
Leinen

erschienen/erscheint bei:
Weismann (Kunstmann), 10/87
http://www.kunstmann.de

 

Pressestimmen

„ein Sommernachtstraum der Sprache“ (Heinz Friedrich)
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Vorschautext

Thema des Romans ist der Roman.  Das heißt Thema des Romans ist der König von Thule, also der Kaiser von China.  Das heißt Thema des Romans sind die "Farben der Vokale", derjenigen nämlich aus Worten wie T d, BI"te, Zusamm nhang ... Wohin zum Beispiel rutscht das e aus dem (üblicherweise erwarteten Text-)Zusamm nhang? - In den Entwicklungsroman, dessen 13 verschiedene Aus Fälle sich an der stets gleichen Alltagssituation entzünden: "Der Mensch geht aus dem Haus." Das heißt genau genommen sind es bloß zwölf Aus-dem-Haus-Fälle, ein Kapitel ist vom Leser erst noch zu schreiben.  Das heißt genau genommen: von Ihnen, denn der (herkömmliche) Leser wird im 11. Kapitel ja ermordet, das heißt erm rdet - natürlich mit einem o. Wie das Kapitel übrigens auch, das heißt: Ob dieses selbst oder gar sein Bruder erm rdet wird, der gesamte Roman, das erscheint nach einmaliger Lektüre noch ebenso "undurchsichtig" wie die Farbe der M rdwaffe: ist sie grün oder papierweiß?  Von exakt der Couleur also, wie sie selbst in vorliegende Zeilen beständig hereinfrißt, während Sie ruhig lesen ...
... allem Anschein nach einen dezent verwirrenden Text über einen offensichtlich verwirrenden Roman in der Nachfolge Arno Schmidts, insbesondere auch der französischen und deutschen Autoren um die Jahrhundertwende (Mallarmé, Gide, C. Einstein, Benn).  Das heißt dessen Grundidee ist eigentlich romantisch ("Synästhesie"), sein Aufbau goethisch ("Wanderjahre"), sein Konzept nietzscheanisch ("Perspektivismus"), der Inhalt kafkaesk ... Trotzdem werden 13 bzw. 12 Kurz- bzw.  Langgeschichten erzählt - sogar auf doppeltem Boden: demjenigen des Textes und dem des Textes über über den Text; trotzdem treten Figuren auf:
der Mensch, der Autor, das Kapitel, der Leser, Sie usw.; trotz allem wird gehandelt, verhandelt, gesprochen, versprochen und verschwiegen: bis plötzlich sich fügen die verschiedenen Varianten des Romans zu einer einzigen großen Entwickelung, zur phantasievoll angereicherten Stadt, die auf dem Meeresspiegel schwimmt mit all ihren Cafés, Obst- und Eisständen, ihren Armleuchtern, Handlangern und Fingerspitzengefühlen, mit ihren auf arabische und chinesische Assoziationsebene oft hinübergleitenden Handlungsebenen, mit ihren gefährlich weißen Rückseiten, auf die Worte und Sätze, Protagonisten und Fabelführung bisweilen sich zurückziehen bzw. zurückgezogen werden ...
Das heißt: Ob sie noch schwimmt oder erneut ins Schwimmen gerät, die Stadt, ist nicht ganz eindeutig, schließlich versinkt sie völlig lautlos bereits im ersten Kapitel. Gerade dadurch aber bietet sie Anlaß zu den blühendsten Phantasien, zu Sprachverbiegung und -artistik, zu philosophischen Seitenblicken und philologischen Seitenhieben, zu -
- insgesamt gesehen einem Buch, das auf den verschiedenen Ebenen gelesen werden kann: als bloße Reihe von thematisch sich in zunehmender Weise verzahnenden Geschichten, als Assoziations- und Dissoziationsraum der unterschiedlichsten Reflexionen, als Literatur über Literatur, als stilistisches und drucktechnisches Experimentierfeld ... das heißt: gelesen werden kann und soll; immerhin beabsichtigte der Verfasser, mit seinem "Regenbogen" einen Text zu schaffen, in den sich auch der gebildete Leser guten Gewissens ein zweites Mal versenken könnte.  Hat man die gefürchtete "letzte Seite" nämlich einmal erreicht, erscheinen alle 561 vorangegangenen in einem neuen Licht ... : eine Herausforderung nicht zuletzt für den - pardon:
für Sie.

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